Yoga-Woche in der Sahara (November 2025)
„Die Wüste reinigt die Seele“
Yoga-Woche in der Sahara | 28.11. – 6.12.25
Am 28. November machte ich mich gemeinsam mit einer kleinen, feinen Reisegruppe auf den Weg nach Marokko. Mit dabei waren auch die beiden Yogalehrerinnen Jana und Katja. Unser Ziel: ein abgelegenes Wüstencamp am Fuße der Barak-Düne – erreichbar nur nach einem zweieinhalbstündigen Ritt auf Dromedaren. Schon der Weg dorthin ließ uns spüren: Wir betreten eine andere Welt.
Namensgeber der Düne ist Barak Oussidi – Gründer von Sahara Yoga mit Sitz in Deutschland und Organisator von Yogafestivals in Kiel und Hamburg. Barak hat dieses Wüstencamp mit eigenen Händen aufgebaut und führt es gemeinsam mit seiner Großfamilie, deren Oberhaupt er ist. Seine tiefe Verbundenheit mit diesem Ort ist in jedem Moment spürbar.
Baraks Vater gründete 1952 gemeinsam mit anderen Familien die Oase bei Merzouga. Eine beeindruckende Geschichte, die Barak mit uns teilte, als er uns das ausgeklügelte Wasserkanalsystem erklärte – Lebensgrundlage für 32 Familien, die hier Obst und Gemüse anbauen.
Gleichzeitig wurde deutlich, wie sehr auch diese abgelegene Region vom Tourismus beeinflusst wird. Quads und Jeeps stören die Stille der Wüste. Elektrofahrzeuge könnten hier eine zukunftsweisende Antwort sein – ein Hoffnungsschimmer dafür, dass Fortschritt und Achtsamkeit miteinander vereinbar bleiben.
Diese Woche war reich an Eindrücken: an Farben, Licht, Stille und intensiven Erfahrungen. Wir lernten, mit den starken Temperaturunterschieden umzugehen – zwischen wärmender Sonne und schattiger Kühle. Mit jedem Tag wuchs unsere Bewunderung für das Leben der Menschen hier, für ihre Einfachheit, ihre Stärke und ihre tiefe Verwurzelung in der Natur.
Schon der erste Ritt auf den Kamelen war ein Erlebnis voller Staunen und Dankbarkeit. Sanft schaukelnd, Schritt für Schritt, ritten wir so durch die Weite der Wüste. Die Zeit schien langsamer zu fließen. Im gleichmäßigen Wiegen der Karawane ließen wir den Alltag endgültig hinter uns und öffneten uns für das, was kommen wollte.
Das Wüstencamp selbst wirkte wie aus der Zeit gefallen: kreisförmig angeordnet inmitten der Dünen, schlicht und zugleich liebevoll gestaltet. Ein offenes Yoga-Zelt mit Blick auf die Sandmeere, ein beheizbarer Yoga-Raum, Duschen und Toiletten, gemütliche Sitzecken und Hängematten – alles Orte, die zum Verweilen, Loslassen und einfachen Sein einluden.
Auch Anfang Dezember besitzt die Sonne hier noch eine kraftvolle Wärme. Im Laufe des Tages wechseln die Farben der Dünen von Gold über Ocker bis hin zu tiefem Rot. Sobald die Sonne untergeht, zieht ein kühler Wind vom Atlasgebirge herüber, wo zu dieser Jahreszeit bereits Schnee liegt – ein eindrucksvoller Kontrast.
Sechs Tage verbrachten wir im Camp. Morgens und am späten Nachmittag tauchten wir in die Yogapraxis ein. Jana und Katja gestalteten ihre Stunden ganz unterschiedlich – und genau darin lag der Reichtum dieser Woche.
Katjas Yogasessions in der warmen Nachmittagssonne, mit Blick auf die großen Dünen, bleiben unvergesslich. Ihr einfühlsamer, heilsamer Stil, die sorgfältig ausgewählte Musik und die Atmosphäre berührten tief – Klänge, die mich auch nach der Reise im Alltag weiter begleiten.
Janas strahlendes Wesen und ihre unbändige Lebensfreude flossen in jede Stunde ein. Ihre Praxis war kraftvoll, anspruchsvoll und zugleich fein abgestimmt auf die besonderen Bedingungen der Wüste. Die kalten Morgen nach eisigen Nächten verlangten nach wärmendem, aktivierendem Yoga. Es war fordernd, einzigartig – und wunderbar.
Zwischen den Yogastunden blieb viel Raum: für Stille, für gute Gespräche, für Lachen und für Zeit mit uns selbst.
Die Familie Oussidi begegnete uns mit großer Herzlichkeit. Neben Kamelen und Hunden gehören auch wundervolle Pferde zu ihrem Leben. Die Ausritte durch die Wüste schenkten uns ein tiefes Gefühl von Freiheit und Weite. Besonders eindrucksvoll war die geführte Wanderung zum Gipfel der Barak-Düne, wo wir das faszinierende Farbenspiel des Sonnenuntergangs erlebten – begleitet vom sandtreibenden, peitschenden Wind der Wüste.
Nach fünf Nächten im Camp fühlten wir uns innerlich gereinigt, ruhig, klar und geerdet – und zugleich bereit, wieder in unser vertrautes Leben zurückzukehren.
Wir erlebten den starken Wechsel zwischen der Wärme der Sonne und den klaren, eiskalten Nächten hautnah. Wie die Familie lebten auch wir in Zelten. Mit dicken Decken, Schlafsäcken und Wärmflaschen trotzten wir der Kälte, saßen abends am Lagerfeuer, trommelten, tanzten und blickten in einen überwältigenden Sternenhimmel – auf dicken Teppichen, die das gesamte Camp auslegten.
Am sechsten Tag ritten wir auf den majestätischen Dromedaren zurück nach Merzouga. Die letzte Nacht verbrachten wir in einem Riad, das an „1001 Nacht“ erinnerte – ein krönender Abschluss dieser besonderen, reinigenden Reise kurz vor dem Jahreswechsel.
Diese Reise hat sich gelohnt.
Spürst du den Ruf der Wüste – und möchtest beim nächsten Mal dabei sein?
Schreibe einfach kurz an: bk@encube.de oder jana.denzer@yahoo.de

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